B.Stempelt

RTCP ohne Zusätze mit Viel Shea

B.nature I Handmade Soap with Almond Oil and Sheabutter
B.nature I Handmade Soap with Almond Oil and Sheabutter

 

 

Läuft!

 

Zugegeben der ein oder andere wird wohl denken "überstempelt". Das war auch mein erster Gedanke. Aber mit jedem Tag des Anschauens, gewann die Optik für mich irgendwie an Charme und da es sich bei dieser Seife um ein weiteres Testobjekt in Sachen Room Temperature Cold Process handelt, kann ich sie einfach nicht vorenthalten.


Als ich meinen ersten RTCP-Versuch im Seifentreff veröffentlichte, wurde ich durch die Fragen einiger Mitglieder auf eine kleine Kleinigkeit aufmerksam. Ich rühre meine Seifen immer mit einer reduzierten Wassermenge von 25% auf die GFM an. Ich hab es mir jedoch angewöhnt  4% Soyacreme direkt in den Seifenleim zu geben. Die Soyacreme verbessert nicht nur die cremigen Eigenschaften des Schaums, sondern sorgt auch dafür, aus welchen Gründen auch immer, dass der Seifenleim lange flüssig bleibt. Da Soyacreme nun mal zum größten Teil aus Wasser besteht, landet man am Ende natürlich auch bei einem etwas höheren Wassergehalt. Die Verpackung der Soyacreme (Bio-Qualität von Alnatura) macht daraus ein Geheimnis, ich schätze die reale Wassermenge in der Seife liegt dann vermutlich bei ca. 27-29% bezogen auf die GFM. Ich hatte auch schon Seifen mit 20% Wassermenge und 20% Sheabutter gesiedet (z.B. HIER), da lag der reale Wassergehalt dann vermutlich zwischen 23-25% - ich kann nur raten -dennoch war der Seifenleim lange flüssig und auch swirlbar.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich war also daran interessiert, ob es mir gelingt 20 % Sheabutter im RTCP-Verfahren in der Seife unterzubringen, ohne Soyacreme und mit de facto reduzierter Wassermenge auf 25%. Um auch alle anderen Eventualitäten durch Zusätze wie Salz, Zucker und Seide auszuschließen, hab ich gar keine Zusätze dieser Art verwendet. Beduftet hab ich die Seife allerdings schon, was mein Experiment nicht verfälscht, weil ich zu dem Zeitpunkt der Duftzugabe meine eigentliche Beobachtung ja schon vollendet hatte. Und mal ganz unter uns - der Duft Vintage Gardenia von Scent Perfique ist einfach der Wahnsinn. Normalerweise bin ich ja nicht so für schwere, blumige Düfte, aber der ist wirklich der Hit. Die Düfte von Scent Perfique gelten im allgemeinen als meist brav, auch wenn der ein oder andere Mal verfärbt, Blitzbeton wird wenig bis selten beklagt und die Haltbarkeit soll bei den meisten hervorragend sein. Nach einer Großbestellung bei dem Shop, werden in der Zukunft also noch ein paar PÖ Tests folgen.

 

INHALTSSTOFFE

28% Kokosöl, 25% Mandelöl, 25% Reiskeimöl, 20% Sheabutter, 2% Rizinusöl und Wasser. Keine Farbe; Duft: Vintage Gardenia von Scent Perfique.

 

VERSEIFUNG

Verseift mit einer 35 %-igen Lauge aus NaOH und dH2O (25 % auf GFM), berechnet für einen Laugenunterschuss (LU) von 8 %, bei einer Temperatur von 22 °C.

B.nature I Handmade Soap with Almond Oil and Sheabutter
B.nature I Handmade Soap with Almond Oil and Sheabutter

Zurück zur Seife. Da sich die RTCP-Methode ja wunderbarst zum entspannten und stressfreien seifeln eignet (siehe HIER), dachte ich daran, die ganze Geschichte noch weiter zu entzerren. Kevin Dunn wundert sich ja in seinem Buch "Scientific Soapmaking"dass die meisten Sieder ihre Lauge frisch anrühren und keine Stocklösung, aka Vorratslösung, verwenden. Das ist eine gängige Methode aus dem Labor Alltag. Man setzt Lösungen und Puffer, die man häufig braucht, einfach in 10- oder gar 100-facher Konzentration an und stellt sich daraus eine Gebrauchslösung her, sobald es erforderlich wird. Das hat zum Vorteil, dass man nicht den ganzen Tag damit beschäftigt ist Lösungen anzurühren und außerdem ist diese Strategie äußerst platzsparend. Ich hab mir also eine 1:1 NaOH-Lauge ohne Zusätze hergestellt, die ich direkt verwenden, oder bei Bedarf verdünnen kann. Der Vorteil ist, dass die Lauge für einige Seifchen reicht und immer die für das RTCP-Verfahren geforderte Raumtemperatur aufweist. Will man mehr Flüssigkeit mit in der Seife haben, muss man die Lauge einfach nur verdünnen. Dabei ist zu bedenken, dass sich die Lauge wieder aufwärmt, sobald man frisches Wasser dazu gibt. Das bedeutet für die Praxis: Man sollte eine entsprechende Verdünnung auch vorher zubereiten. Angenehm ist, dass man sich einige Schritte beim abwiegen spart. Will man also eine RTCP-Sefe vorbereiten, muss man einfach nur die Fette und Öle abwiegen, aufschmelzen, Deckel drauf legen und stehen lassen. Am nächsten Tag bereitet man alles in Ruhe vor, wiegt die vorbereitete Lauge ab und legt los - herrlich. Die Strategie ist desweiteren durchaus praktisch bei Milchseife. Möchte man Milch oder Milchkonzentrat einbringen (siehe HIER), kann man die gewünschte Flüssigkeitsmenge direkt in den Seifenleim geben. Zu beachten ist natürlich, dass der SL dann eine leichte Wärmeentwicklung zeigt, was meiner Erfahrung nach aber kein Problem darstellt.

Wieder zurück zu dieser Seife. Ich habe also meine vorgefertigte Lauge genommen und so verdünnt, dass ich in der Seife am Ende genau 25% Wasser bezogen auf die GFM hatte. Die Temerpatur der Fette/Öle und der Lauge lag vor Beginn bei schlappen 22°C. Tja und siehe da: Alles vermischt, püriert - gerührt, kein Andicken, auch ohne Soyacreme. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich natürlich noch keine aufwendigen Swirls oder ähnliches mit dieser Methode, explizit diesem Rezept  und ohne Zusätze versucht habe. Ich habe mir bei der Seife zwar bewusst Zeit gelassen und empfand es als lange, habe die Zeit aber nicht explizit gestoppt. Zeit ist nun mal relativ und kann ganz schön kurz und knapp werden, wenn man bemerkt, dass einem der Leim andickt, obwohl man sein Gestaltungsvorhaben noch nicht vollends umgesetzt hat. Interessant war auch, dass die Zugabe des PÖs ganz friedlich von statten ging - keine Mätzchen, kein Andicken oder ähnliches - Seifenleim einfach in die Form gegossen et voila:  schicke, gut duftende und vor allen Dingen extrem gut stempelbare Seife. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich es ein bisschen übertrieben hab. Es hat einfach zu gut funktioniert - 24 h nach dem Ausformen - ist notiert. 

Ich scheue mich die Vorgehensweise zum ansetzen und verwenden einer 1:1 NaOH-Lauge als Stocklösung genauer zu beschreiben, da diese Vorgehensweise für Seifen-Neulinge absolut NICHT zu empfehlen ist. Der sichere und umsichtige Umgang mit der Lauge ist erforderlich und einiges an Siede-Erfahrung sollte man außerdem haben. Da ich ursprünglich aus dem Labor komme, hab ich eben schon einiges an Erfahrung in der Richtung und vor allem die nötigen Materialien und kann deshalb sicher mit dieser Methode agieren. Wer sich interessiert, sollte sich das Buch "Scientific Soapmaking" von Kevin Dunn besorgen. Es beinhaltet so einige praktische Tipps und vor allem interessante Erklärungen rund um die Seifen-Chemie.

 

Immer wieder spannend und da schon der nächste Test, dieses Mal im Heat Transfer Cold Process-Verfahren wartet sage ich, wie immer, bis zur nächsten Seife ;-)

Bis dahin:

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Kommentare: 4
  • #1

    Moja (Dienstag, 31 Oktober 2017 17:13)

    Liebe Bettie,
    suuuuperschöne Seifen und ein wirklich interessanter Bericht, danke Dir sehr dafür! :-)
    Und es sind ja nicht nur die 20% Shea, die es so spannend machen, sondern dann auch noch in Verbindung mit dem Reiskeimöl und der reduzierten Wassermenge! Sehr sehr cool, wie toll das geklappt hat. <3 <3 <3
    Sehr interessant finde ich auch das mit dieser Stocklösung. Da muss ich mich irgendwann mal mit beschäftigen, super spannend!

    Viele liebe Grüße, Moja

  • #2

    Bettie (Dienstag, 31 Oktober 2017 18:35)

    Danke liebe Moja ❤
    Ja ich war oder bin noch, um genau zu sein, auch fasziniert, dass es tatsächlich funktioniert. Genauso bin ich auch fasziniert, dass die HTCP Methode mit diesem und einem anderen Rezept einfach mal funktioniert - auch ohne Zusätze und ich bin einfach platt, wie gut diese Seifen schäumen. Die Stocklösung ist nicht nur spannend, sondern vor allem super praktisch � Da kann man sich auch bei knapper Zeit mal ein kleines Fenster zum seifeln suchen. Ich danke dir recht herzlich für deinen Besuch und deinen lieben Kommentar.
    Ganz liebe Grüße,
    Bettie

  • #3

    Tina (Mittwoch, 01 November 2017 17:31)

    Liebe Bettie,

    das ließt sich ja wirklich spannend und die Vorratshaltung zum schnelleren Abgreifen der NaoH Lösung eine tolle Sache! Ich danke dir für deine Erfahrungen die du mit uns teilst!!!
    Deine Seife ist, wie schon im Seifentreff geschrieben, einfach zum "hinknien"♥♥♥ Auch wenn ich jetzt nicht so eine wunderbare Silikonmatte
    und Stempel besitze, bin ich schon auf dem Weg zum abkupfern

    Ganz liebe Grüße und noch einen wundervollen Feiertag!
    Tina

  • #4

    Bettie (Samstag, 04 November 2017)

    Liebe Tina,

    vielen Dank ❤ Ich freue mich riesig über deine begeisterten Worte. Also das mit der Vorratshaltung ist wirklich mehr als praktikabel. Es erspart einem einfach Arbeit, ist sehr sauber und man kann einfach mal seifeln ohne einen riesen Aufwand, da sich dieser durch die Methode an sich einfach gut verteilt �. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim nachmachen und danke dir ganz herzlich für deinen Besuch.
    Ganz liebe Grüße zurück,
    Bettie