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Savon Pur Cucumber

Naturseife die Zweite

B.nature I Handmade Savon Pur Cucumber
B.nature I Handmade Savon Pur Cucumber

 

 

 

Ich liebe Salatgurke. Da gibt es nichts zu rütteln. Im Sommer trinke ich gern kaltes Wasser mit ein paar Scheiben Gurke darin - das erfrischt und schmeckt wunderbar. Gurke schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch gesund und darf in keinem Salat fehlen. Logische Konsequenz für den Seifensieder: Gurkenseife ❤. 


Tatsächlich war eine meiner ersten Seifen eine mit Salatgurke. Es war eine schlichte Naturseife nach einem Rezept von Claudia Kasper. Ich liebte diese Seife und so machte ich noch einige weitere davon. Dann irgendwann vergaß ich die Gurke in der Seife...... Warum weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr 🤔. Aber da ich zur Zeit meine alten Aufzeichnungen durch gehe, um ein paar Dinge aufzuarbeiten, bin ich als Fan der Salatgurke natürlich sogleich bei meiner damaligen Seife hängen geblieben und musste ein Revival herstellen.

Den Geruch von frischer Gurke finde ich einfach unschlagbar 😋. Ganz besonders im Sommer hat das immer etwas frisches und leichtes. Ein paar Scheiben Gurke in stillem Wasser, ab und an mit Minze verfeinert - herrrrrlichst ❤. So begeistert bin ich auch von dem PÖ "Gurke", welches ich kürzlich bei Manske erstanden habe. Dieser Duft hat sich mit dem Öffnen der Flasche augenblicklich in die erste Reihe meiner Lieblingsduft-Sammlung katapultiert. So ein frischer, angenehmer und leichter Duft - ich bin hin und weg!!! Die Duftkombi von frisch verseifter Gurke und dem PÖ war beim Ausformen total intensiv und einfach unglaublich gut. Da kommt richtig Sommerstimmung auf - obwohl es bei uns gerade mal wieder schneit. Mein ganzes Seifenzimmer duftet nun lecker frisch und das macht einfach gute Laune, egal ob es draußen Stürmt oder Schneit. 

Für die volle Portion Cucumis sativus habe ich eine ganze Bio-Salatgurke geschält und in kleine Würfel geschnitten. Anschließend würde alles fein püriert. Um das kleine bisschen Fruchtfleisch loszuwerden, hab ich das Gemisch durch eine "Nut-Milk-Bag" gepresst (ein beeindruckend hilfreiches und nützliches Werkzeug in der heimischen Siede- und Kosmetik Küche). Da eine Gurke zu 80% aus Wasser besteht, blieb entsprechend nur eine winzige Menge Fruchtfleisch übrig, die zum Abendbrot auf meinem Frischkäsebrötchen gelandet ist 😆. Wenn ich Gurkenwasser in der Kosmetik verwende, dann würde ich es nun feiner Filtern, mit Alkohol versetzen und steril filtrieren. 

Da es aber für die Seife gedacht war, hab ich keinen weiteren Filtrationsschritt mehr unternommen. Die benötigte Gurkenwassermenge für die Lauge wurde abgenommen und der Rest in Eiswürfelbeuteln eingefroren - für die nächste Gurkenseife 😉.

Die Lauge bestand komplett aus giftgrünem Gurkenwasser, NaOH und KOH für eine Mischverseifung 90:10 und die Herstellung verlief  im HTCP-Verfahren einwandfrei. Ich hab etwas länger pürieren-rühren müssen als gewohnt, da Gurkenwasser den SL aus irgendwelchen Gründen recht flüssig hält - eine Tatsache die mir, laut Aufzeichnung, schon bei meinen früheren Gurkenseifen aufgefallen war. Nachdem der SL die richtige Konsistenz hatte, wurde er in zwei gleiche Portionen aufgeteilt und eine Hälfte mit dem wunderschönen, grünen Mica "Golden Willow" von UMU eingefärbt. Also wenn diese Farbe nicht zu einer Gurkenseife passt, dann weiß ich es auch nicht. Abschließend wurde noch das PÖ "Gurke" in beide Hälften eingerührt und der SL gemächlich in die runden Acrylglasformen gegossen - schön über die Kante, damit keine Luftbläschen entstehen. Das PÖ war zwar recht brav, aber ich meine ein leichtes Anziehen des Leims bemerkt zu haben. 


Der Vorteil bei transparenten Acrylglasformen ist ja, dass man durchgucken kann 😜. Damit lässt sich die Seife wirklich prima kontrollieren und das hab ich spaßeshalber mal stündlich gemacht. Man konnte den Verseifungsprozess wunderbar beobachten. Nach ca. 3 h habe ich in der Mitte dunklere Bereiche beobachten können. Zunächst dachte ich, die Seife würde gelen, aber eine echte Gelphase bzw. "Neat Soap" (vgl. Kevin Dunn, "Scientific Soapmaking", p. 303), sieht eher durchsichtig-gelig aus, irgendwie Vaselinemäßig. Die schönste Gelphase konnte ich mal, ganz zu Anfang meiner Siedertätigkeit, bei einer Rasierseife beobachten. Es war zunächst ganz normal, opaker Seifenleim und nach einer 1 h in der Form, war sie komplett heiß, aber so richtig heiß 😲 und leicht durchsichtig. Die Gurkenseife zeigte allerdings kein solches Vaseline-Stadium. Was ich nun aber höchst interessant finde, da wir das im Forum vor Kurzem diskutiert hatten, war, dass die Seife nach dem Einformen an Temperatur verloren hat und nach 2 h nicht einmal mehr Lauwarm war, um dann nach 3 h eine deutlich spürbare Handwärme zu produzieren - und wie gesagt, ich isoliere meine Seifen nie! Auch optisch machte sich der Verseifungsprozess bemerkbar. Die Farbe wurde dunkler und klarer (nicht durchscheinend!) zunächst in der Mitte der Form. Das Ganze breitete sich dann mit der Zeit bis an die Enden der Form aus. 

Nun ist der Verseifungsprozess ja eine exotherme Reaktion, d.h. es wird Wärme freigesetzt und daraus schließe ich jetzt einfach mal, dass hier einfach eine vorbildlich, flotte, durch die transparenten Acrylglasformen gut beobachtbare Verseifungsreaktion abgelaufen ist. Wenn ich Kevin Dunn also richtig verstehe, ist meine Seife aus einer liquiden Pase (= flüssiger Seifenleim) direkt in eine solide Phase (= feste Seife in der Form) übergegangen und ist während der Verseifung in diesem soliden Zustand, den er als "Curd Soap" bezeichnet, geblieben. Aufatmen für mich - keine Gelphase, sondern nur eine sehr zügig (?) verseifende Seife. Wobei ich beim Ausformen wirklich sooo sicher war, einen dunklen (unschönen) Gelkern vorzufinden. Die Acrylglasformen haben gezeigt, dass dies sowohl bei HTCP, als auch bei RTCP Seifchen auftritt. Manche Seifen, die ich in der letzten Zeit gesiedet habe, zeigten keine solch flotte Verseifungsreaktion. Sie waren zu Anfang leicht warm, sind dann abgekühlt und haben keine Temperatur mehr aufgenommen. Das konnte ich bisher 2 Mal (zumindest bewusst wahrgenommen) sehr gut im Divi beobachten. Diese Seifen waren für mehrere Tage weich und ganz normal opak. Erst nach 1-2 Wochen konnten diese Stücken unfallfrei ausgeformt werden. Im Vergleich zu den schneller verseiften Exemplaren, sahen sie nicht so "klar" aus - ich weiß gerade nicht wie ich es anders beschreiben soll 😵. Allerdings erreichten diese Seifen, dass gleiche Aussehen, wie die anderen nach ca. 1 Monat und auch der Härtegrad stieg stetig an. Mir ist natürlich bewusst, dass das alles keine Neuigkeiten sind 😝. Aber durch die normalen weißen HD-PE Seifenformen kann man es ja auch nicht so genau beobachten, wie durch die transparenten Acrylglasformen und mich würde mal brennend interessieren, was ich noch so alles verpasst habe.

Die Gurkenseife hatte also keine Gelphase, aber diese vermutet flotte Verseifung führte dennoch zu sehr harten Stücken. Sie ließ sich nach 12 h kaum noch stempeln. Besonders die ungefärbte Seife war teilweise schon so fest, dass ich den Stempel bei einigen Stücken nicht mehr tief genug in die Seife bekommen habe. Bei einigen gab es sogar Stempelsplitter. Die grüne Seife ging etwas besser, weil da noch etwas zusätzliches Sonnenblumenöl HO drin ist, welches ich immer zum dispergieren der Micas und Pigmente nehme. Leider war ich nicht so geistesgegenwärtig ein Foto der Verseifung zu machen. Allerdings werde ich das nun genauer beobachten und beim nächsten Mal sicher bildlich festhalten. 

Ich habe es natürlich nicht ausgehalten und eins der Randstücke bereits mit unter die Dusche genommen. Die Seife schäumt himmlisch üppig, großblasig und leicht cremig. Der Schaum ist irgendwie "leicht" und doch sehr pflegend, was sich an heißen Sommertagen bestimmt wirklich wunderbar anfühlen wird.  Gelphase hin oder her, die Savon pur Cucumber ist für mich sowohl optisch, haptisch als auch olfaktorisch ein wirklich fabelhaftes Seifchen geworden und wird ganz besonders im Sommer ein wahres Seifenvergnügen bereiten. 

Bis dahin werde ich meine Seifen nun sehr viel genauer beobachten, weshalb ich mal wieder ordentlich was zu tun habe und daher verabschiede ich mich an dieser Stelle, wie immer, und sage bis zur nächsten Seife.

Bis dahin:

B.nature I Handmade Savon Pur Cucumber
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Kommentare: 9
  • #1

    Moja (Donnerstag, 22 März 2018 22:27)

    Liebe Bettie,
    ich habe gerade ganz gespannt Deinen Bericht gelesen und verrenke mir gerade das Gehirn (*lol).
    Meinst Du, dass es da vielleicht doch irgendeinen Zusammenhang gibt, bzw. die HTCP-Seifen schneller verseifen? Und hab ich das richtig verstanden, dass das bedeuten würde, dass sie unter Umständen schneller härter werden?
    Meine HTCPs haben sich eigentlich alle (bis auf eine) nach 24 Stunden perfekt ausformen lassen, was die Theorie ja bestätigen würde, ich hatte dem nur bisher nicht so viel Beachtung geschenkt.
    So genau hab ich das mit der Temperatur in der Form bis jetzt nicht verfolgt, deshalb finde ich Deinen Bericht um so interessanter. ❤
    Vielen Dank dafür! ❤❤❤

    Die Seifen sind fantastisch geworden und genau mein Beuteshema! ❤
    Gurkenseife steht demnächst auch an. Letztens hast Du mich schon mit der Kaffeeseife so angefixt (die ist mittlerweile übrigens ausgeformt ;-)), es nimmt aber auch kein Ende.. ;-)

    Ganz liebe Grüße,
    Moja

  • #2

    Tina (Freitag, 23 März 2018 06:23)

    Hallo liebe Bettie,

    deine Seifen sehen einfach hinreißend aus, so frisch und bereit für den
    Frühling ❤❤❤ Deine Theorie mit der HTCP macht mich jetzt echt neugierig!
    Irgend wie hab ich mich nie so richtig rangetraut..... Das hat nach deinem
    sehr interressanten Bericht jetzt wohl endgültig ein Ende ;-D
    Bemerkenswert, das du keine deiner Seifen isolierst!

    Einen wunderwollen Tag Dir und liebe Grüße :*
    TINA

  • #3

    Bettie (Freitag, 23 März 2018 06:55)

    Liebe Moja,
    vielen Dank liebe Moja ❤
    ja, das ist meine Augenblickliche Annahme. Ich verseife ja immer mit reduzierter Wassermange. Kevin Dunn beschreibt in seinem Buch, dass Seifen mit viel Wasseranteil schneller in eine Gelphase kommen können, weil die Temperatur um diese zu erreichen weit niedriger liegt, als bei Seifen mit wenig Wasser. Da ich mit reduzierter Wassermenge seifel, bräuchten meine Seifen eine höhere Temperatur, um die Gelphase zu erreichen. Er hat auf Seite 309 Diagramme, die zeigen, dass die Seifen mit wenig Wasser bei 40 °C Ausgangstemperatur (wo wir ja mit den HTCPs durchaus liegen) theoretisch keine Gelphase erwarten brauchen. Das konnte ich bisher genau so beobachten ;-) Ausnahme ist, wenn man einen aufheizenden Zusatzstoff im Rezept hat. Ich habe vorgestern eine Seife mit Karotten-CO2-Extrakt gemacht, auch Wasser reduziert, die hat einen Gelkern bekommen, da sie durch den Karottenextrakt über eine Temperatur von 70°C gekommen sein muss (laut seinen Ausführungen) und das auch schon nach knapp 30 Minuten. (Zum Vergleich: High-Water Soaps sollen die Gelphase schon bei 60°C erreichen, Medium-Water bei ca. 70-80°C und bei low-Water liegt die Temperatur wohl über 100°C).
    Bei einer RTCP liege ich mit der Temperatur ja nun wirklich absolut niedrig, dann auch noch weniger Wasser, daraus schließe ich, dass die RTCP länger braucht um zu verseifen, da sie ersteinmal Betriebstemperatur erlangen muss und das dauert bei reduzierter Wassermenge. Wenn die Seife kalt bleibt, so meine Annahme, dann ist der Verseifungsprozess so langsam, dass man die exotherme Reaktion einfach nicht wahrnehmen kann, d.h. es wird zwar Wärme produziert, aber eben so wenig, weil langsam, dass ich das mit meiner Hand an der Form nicht wahrnehmen kann. Und weil das so langsam geht, braucht die Seife eben ewig, bis sie eine Festigkeit erreicht, dass man sie ausformen kann.
    Ausnahme auch hier, wenn ein heizender Stoff drin ist. Da hatte ich auch schon RTCPs mit einem bösen PÖ, die dann nach 12 h fertig ausformbar und fest waren.
    So erkläre ich mir das Ganze zumindest, ob das so richtig ist, weiß ich natürlich nicht ;-)
    Liebe Moja, ich danke dir ganz ❤lich für deinen lieben Kommentar und deinen Besuch�
    Ganz liebe Grüße,
    Bettie

  • #4

    Bettie (Freitag, 23 März 2018 07:03)

    Liebe Tina,
    vielen lieben Dank. Trau dich einfach, wenn man es erst einmal gemacht hat, fragt man sich schnell warum man so lange gewartet hat �.
    Und wenn du nach Mojas Anleitung vorgehst, kann da eigentlich nichts schief gehen. �

    Naja, ich hab am Anfang auch isoliert. Aber das schenke ich mir einfach. Ich lass es die Seife so machen wie sie will. Ab und zu - bei schwierigen Zutaten, hat man dann mal einen Gelkern, aber was solls. Da die Wasserreduktion, ja sowieso in der Regel eine Gelphase verhindert, brauch die Seife auch nicht in die Wärme gestellt werden � die verseift früher oder eben auch später trotzdem und wird fest.
    Ich danke dir ❤lich für deinen Besuch und deinen lieben Kommentar.
    Ganz liebe Grüße,
    Bettie

  • #5

    Bettie (Freitag, 23 März 2018 08:22)

    Und dazu fällt mir noch ein, dass die Isolation der Seife ja den Zweck hat, die Wärme, die die Seife beim Verseifen frei gibt zu halten, damit sie schneller verseift und nach kurzer Zeit ausformbar ist. Wenn die Seife einen hohen Wassergehalt hat, kann sie bei der angestauten Wärme natürlich auch schneller oder überhaupt in eine Gelphase gelangen. Andere simulieren das im Ofen und geben künstilich Wärme dazu. Die Seife wird in die Gelphase gezwungen, wenn sie die entsprechende Temperatur erreicht. Durch Wärme bewegen sich die Teilchen in der Seife schneller bzw. mehr und dies erhöht natürlich die Reaktionsgeschwindigkeit, sprich die Verseifung.
    Ohne Isolation dauerts dann eben etwas länger - was mich nicht stört, da ich die meisten Seifen sowieso nicht am nächsten Tag gleich ausformen kann, aufgrund akuten Zeitmangels durch meinen Job.

    Ich glaub so wird ein Schuh draus� Was meint ihr?

  • #6

    Antje (Freitag, 23 März 2018 15:36)

    Hallo Bettie,
    Alles sehr interessant zu lesen. Und wunderschön sind sie geworden. Ich mag schlichte Seifen sehr. Was für einen Durchmesser haben sie? Ich bin noch auf der Suche nach der richtigen Größe für runde Seifen.....

    Lieben Gruß

  • #7

    Bettie (Freitag, 23 März 2018 20:11)

    Hallo Antje,
    Die Seifen haben einen Durchmesser von 5,5 cm. Pringelsdosen waren mir zu groß und so haben die Seifen für mich die passende Handgröße. Die krumme Zahl ist dem Acryglasrohr geschuldet. Die haben einen Außendurchmesser von 6 cm ;-) Bestellen kann man diese bei Acrylglasformen.de.
    Ich danke dir ganz herzlich für deinen lieben Kommentar und deinen Besuch.
    Liebe Grüße,
    Bettie

  • #8

    Tina (Samstag, 24 März 2018 22:32)

    Guten Abend Bettie,

    ich habs getan!!! Hat Klasse funktoniert das HTCP Verfahren, und ich hab diesmal
    Buchenholzkohle mit Wasser anstatt Öl dispergiert (mal so als Test wg. deiner Frage letzens).
    Ich hau mir jetzt dann die Tage auf die Finger, um nicht schon nach 24 Std aus-
    zuformen ;-D. Danke nochmals für deine Hilfe und die tolle Erklärung ❤

    Ganz liebe Grüße
    Tina

  • #9

    Bettie (Freitag, 13 April 2018 18:49)

    Oh das freut mich aber liebe Tina ❤.
    Ich hoffe die Seife ist gaaaanz toll geworden.
    Vielen Dank, dass du Rückmeldung gegeben hast ❤❤
    Lieben Gruß,
    Bettie