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Acryglas Formen 2.0

und ein Schmucker Schmetterling

B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold
B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold

Acryglasformen 2.0

Damals bei meiner Kaffee-Seife hatte ich meine selbst gebauten Acrylglas Formen vorgestellt. Der Vorteil bei diesen Formen ist ganz KLAR, im wahrsten Sinne des Wortes, denn, man kann sehen, was man macht. Kaufen kann man fertige Formen über "Cafe de Savon" in Japan – blöd nur, dass ich kein japanisch kann. In dem Internetshop Acrylformen.de hatte ich vor langer Zeit Acrylglasrohre für runde Seifen erstanden und war damit sehr zufrieden. Ich durchstöberte die Internetseite ein wenig und fand heraus, dass man sich Acrylglas Teile auf Maß zuschneiden lassen kann. Da kam mir die Idee, die Blockformen einfach selber zu machen. Damals hatte ich allerdings keine Ahnung von der ganzen Materie. Nachdem ich meine hohe Blockform einige Male gebraucht hatte, sah sie dann so aus:


Das erste Foto stammt aus dem Beitrag „Englische Rose“. Die Seife hatte in der Form ordentlich Hitze aufgenommen, da ich Blitzbetonbeschleuniger für die Schichten eingesetzt hatte. Das bekam dieser Form ja so gar nicht. Ich habe sie noch unzählige Male „repariert“ und auch noch weiterverwendet. Nun hat sie ihre Schuldigkeit aber getan. Man sieht auf den Fotos gut, dass einzelne Brocken schon komplett herausgebrochen sind. Ich hatte damals die Seitenteile und den Boden mit Acrylglaskleber verklebt und nahm an, dass die Risse und Sprünge durch Spannungen im Material entstanden waren. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass ich damit auch gar nicht wirklich falsch lag, aber dazu komme ich etwas später.

Welches Acrylglas für die Seifenform?

B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold
B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold

Nachdem ich die alte Form nun in den wohlverdienten Ruhestand geschickt hatte, beschäftigte ich mich etwas genauer mit Plexiglas, um herauszufinden, wo der Hase im Pfeffer lag. Bei den gekauften Acrylglasformen passiert so was schließlich ja auch nicht. Zunächst habe ich mich genauer mit den beiden unterschiedlichen Ausführungen „Plexiglas XT“ und "Plexiglas GS“ beschäftigt. Die beiden Abkürzungen „XT“ und „GS“ geben Auskunft über die Herstellungsweise des Acrylglases, wobei "GS" für gegossen steht und "XT" für extrudiert. Wer sich interessiert, kann z.B. HIER weiterlesen. Die Kurzfassung: Plexiglas GS hat eine höhere Festigkeit, ist beständiger und hat bessere Oberflächeneigenschaften. Im übrigen meinen die beiden Begriffe Acrylglas und Plexiglas genau das gleiche: Plexiglas ist der Markenname für Polymethylmethacrylat = Acrylglas 😜.

Ein weiterer Punkt, den ich mit im Verdacht hatte, war die Materialstärke. Ich hatte zuvor Platten mit 5 mm Materialstärke genommen, also recht dünn. Das war dann auch beim Zusammenkleben der Teile immer sehr fummelig. Also wusste ich nun schon zwei Dinge: 1) Ich nehme dieses Mal Acrylglas GS und 2) in der doppelten Stärke von 10mm.

B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold
B.nature I Handmade Soap DIY Acrylic Soapmold

Gesagt – getan – alles bestellt. Nun finde ich in meinem Paket einen Hinweiszettel des Verkäufers auf dem ich sofort die beiden Worte: „Materialspannungen“ und „tempern“ fixierte.

Tempern? Häh? Kann man das essen?

Acrylglas Tempern

Nein, unter Tempern versteht man das kontrollierte Erwärmen eines Materials über längeren Zeitraum, um Materialspannungen abzubauen. Macht man das nicht, kann es sein, dass das Acrylglas bei der Weiterverarbeitung, z.B. beim Verkleben reißt – Ja, das kenne ich dann wohl schon. Bedingt durch die Herstellungsweise und das Zuschneiden entstehen diese Spannungen im Acrylglas. Werden sie nicht abgebaut, kann es sein, dass es zu den Spannungsrissen kommt, wie man bei meiner ersten Form gut sehen konnte. Ich könnte jetzt noch über die Bewegung und Ausrichtung der Moleküle schreiben und alles viel komplizierter machen. Das lasse ich aber 😜. Wer sich interessiert, mehr Infos dazu gibt es bei Wikipedia.

Im Netz habe ich, im Bezug auf das Tempern von Acrylglas, verschiedene Hinweise und Vorgehensweisen ausfindig gemacht. Am Ende habe ich mich aber einfach an den mitgelieferten Hinweiszettel gehalten. Der Besagte zusammengefasst Folgendes:

  • Acrylglas über längeren Zeitraum bei einer Temperatur zwischen 50-60°C erwärmen.
  • Die Zeitspanne ergibt sich aus der Materialstärke. Als Richtwert stand auf dem Zettel je 25min pro mm Materialstärke. Bei 10 mm also 25 x 10 = 250 min oder ca. 4 Stunden.
  • Im Anschluss sollte das Material sehr langsam und kontrolliert abkühlen.

Irgendwo las ich noch, dass es sehr wichtig sei, ein und dieselbe Temperatur über den entsprechenden Zeitraum konstant zu halten. Das ist mit einem normalen Backofen natürlich etwas schwierig. Ich habe es aber probiert und daher folgt nun eine kleine Anleitung:

Mini Anleitung

1. Backofen auf 50°C Umluft einstellen und vorheizen. Legt man ein Thermometer in den Ofen, stellt man schnell fest, dass die Temperatur stetig schwankt. Meiner heizt bis 65-70°C, schaltet dann ab und heizt wieder auf, wenn er auf ca. 45°C abgekühlt ist. Also habe ich mein Bratenthermometer in den Backofen gehängt, um die Temperatur wenigstens halbwegs im Auge behalten zu können.

2. Wenn 63°C erreicht sind, können die Acrylglasteile in den Backofen. Durch das Öffnen der Tür, entweicht etwas Wärme und die ganze Challange startet bei ca. 60°C. Wichtig dabei ist, dass alle Teile auf ein Gitterrost gelegt werden, damit sie gleichmäßig belüftet und erwärmt werden können. Die Umluft sollte die ganze Zeit über eingeschaltet bleiben, damit sich die Hitze gleichmäßig verteilt.

3) Dann heißt es 4 Stunden lang, Temperatur checken. Ich habe alle 15 min geschaut, wenn die Temperatur unter 60°C gefallen war, habe ich den Regler für ca. 10 sec hochgedreht und danach sofort zurück gestellt. Die Heizspirale im Ofen braucht eine gewisse Zeit, bis sie heiß genug, ebenso aber bis sie wieder auf die entsprechende Temperatur abgekühlt ist. Das war eine schweißtreibende Angelegenheit. Wichtig ist aber: Die Backofentür unter gar keinen Umständen öffnen!!!!! Die Temperatur sinkt zu schnell, die vorderen Teile kühlen ab und dann kann das Ganze doch noch reißen.

 

4) Nach 4 h habe ich den Temperaturregler auf 0 gestellt und die Umluft noch eine Zeit lang angelassen, bis das Thermometer 45°C angezeigt hat. Damit der Ofen nicht zu schnell abkühlt, habe ich dann die Ofenlampe angelassen. Diese macht ihrerseits geschlagene 30-35°C laut Bratenthermometer. Nachdem ich diese Grenze erreicht hatte, schaltete ich komplett aus und ging schlafen. Am nächsten Morgen hatte der Ofen die Raumtemperatur und ich konnte meine Acrylglasteile endlich für meine Form verwenden.

Nun kann man sich fragen, muss man das unbedingt machen? Zur Beantwortung der Frage muss man sich einfach das folgende Bild der beiden Formen im Vergleich anschauen.

Links: die Neue, getemperte Form aus Acrylglas GS, nach mehrfacher Verwendung. Rechts: Die ursprüngliche Form aus Acrylglas XT, nicht getempert, weil ich den Zettel damals konsequent ignoriert hatte. Ich denke, der Unterschied wird mehr als deutlich.

Lohnt sich das?

Meines Erachtens schon, denn ich habe für die Teile einer 15 cm x 5 cm x 11 cm Blockform und einer 22 cm x 8 cm x 7 cm Blockform ca. 40 Euro bezahlt (inkl.Versand). Natürlich muss man den Energieaufwand noch dazu rechnen, davon habe ich nur leider keinerlei Vorstellung. Nur den Materialpreis betrachtet liegt man pro Form bei ca. 20 Euro. Die fertigen Formen aus Japan liegen in der Größenordnung auch bei ca. 18-20 Euro, wobei da natürlich noch der Versand und ggf. Zoll hinzukommt. Bei der selbstgebauten Variante ist natürlich der große Vorteil, dass man sich die Form eben so zusammenstellen kann, wie man sie braucht, was besonders für spezielle Vorhaben sehr geeignet ist. Auf den nachfolgenden Fotos ist meine neue 15 cm x 5 cm x 11 cm Blockform, für hohe, schlanke Seifen zu sehen. 

Ich wollte die langen Seitenteile ursprünglich mit Acrylglaskleber am Boden festkleben, damit die Form einfacher zusammenzubauen ist. Das spare ich mir jedoch, denn wenn man alle Teile abnehmen kann, ist die Seife einfacher auszuformen. Am Acrylglas bleibt auch nichts hängen, die meisten Seifen flutschen tatsächlich einfach ohne großen Aufwand aus der Form.

 

Da die Einzelteile recht dick sind, stehen sie auch von allein und so ist es an sich kein Problem, sie mit Hilfe von Isolierband zusammenzubauen. Man sollte dabei darauf achten, die Seiten mit der kleinsten Schmelzkante auf den Tisch zu stellen. Die Schmelzkante bleibt durch den Laserschnitt leider nicht aus. Die einzelnen Teile sind so klein, dass sie nicht gesägt werden können, denn dabei würden sie zerbrechen. Man muss also mit der Schmelzkante leben. Meiner Meinung nach, stellt das aber kein wirkliches Problem dar - zumindest nicht bei meinen Zuschnitten.

Ein schmucker Schmetterling

Wer bis hierhin durchgehalten hat, soll auch noch eine schmucke Seife zu Gesicht bekommen. Nachdem Moja und Claudia das Schichtseifen-Thema erneut aufgegriffen und wunderbare Seifen dazu vorgestellt hatten, konnte ich nicht anders und musste auch noch mal ran. Allerdings habe ich meine Swirlübungen dabei nicht vernachlässigen wollen und so kombinierte ich feine Schicht mit Butterfly-Swirl in zartem Rosa.

B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly

Nunja, der Schmetterling ist mir noch nicht zu 100% gelungen. Irgendwie habe ich an der Farbe vorbeigeswirlt. Jedoch gefällt mir die zarte Farbe durch die rosa Tonerde ganz hervorragend, muss ich sagen. Bei einigen Stücken ist zwar der Schmetterling als solcher wirklich gut zu erkennen, jedoch hat sich da eine Ecke in die rosa Schicht eingeschlichen. Aber so ist das wohl, man kann nicht immer alles haben.

 

Da ich Euch nun schon mit soviel Text und "Nicht-Seifen"-Bildern gequält habe, folgen nun einfach kommentarlos die Bilder des ersten Seifleins aus der neuen Form, und da es heute schon wieder viel zu heiß ist, verabschiede ich mich an dieser Stelle und sage: Bis zur nächsten Seife.

B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly
B.nature I Handmade Soap Pink Butterfly

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Kommentare: 7
  • #1

    Moja (Donnerstag, 26 Juli 2018 22:08)

    Wooow, Bettie! Wie cool ist das denn? ❤❤❤
    Ich bin total begeistert von Deinem Bericht über die selbstgemachte Form, das ist alles höchst interessant und man fängt beim Lesen gleich wieder im Kopf an zu "planen"... *hihi
    Mensch, Du bist aber auch ne Anfixerin! ❤

    Die Premieren-Seife ist ganz bezaubernd hübsch und zart, und ich erkenne auf jeden Fall einen Schmetterling. ❤❤❤

    Ganz liebe Grüße,
    Moja

  • #2

    Claudia (Donnerstag, 26 Juli 2018 23:41)

    Wow, was für ein Akt mit den Formen!
    Aber es scheint sich gelohnt zu haben.
    Super schön und die Form der SEifen find ich auch ganz, ganz toll.
    Und dein Schmetterling ist zart und ätherisch und elegant!
    Ganz liebe Grüße
    Claudia

  • #3

    Christiane (Freitag, 27 Juli 2018 06:40)

    Mensch, Bettie!!! Da fall ich fast vom Stuhl....
    Ist ja unglaublich, wie du das mit der Form gemacht hast. Toll erklärt und sehr interessant zu lesen. Freu mich mit dir, dass du nun eine Form ganz nach deinen Vorstellungen hast.
    Und wie nicht anders zu erwarten, ist deine Seife wiedermal ein wunderschöner Augenschmaus. ❤️❤️❤️
    Schönes Wochenende und liebe Grüße, Christiane

  • #4

    Tina (Freitag, 27 Juli 2018 07:46)

    Guten morgen liebe Bettie,

    puuuuh, das war ja spannender als ein Krimi! Ich bin voller Bewunderung,
    was du alles selberst!!! Mir ging es wie Moja, ich bin ja immer neugierig
    auf "Neues". Hab meinen Backofen gedanklich aber schon gestrichen....
    Da kam mir mein Dörrgerät in den Sinn :-D Man kann die Temperatur
    ja stufenlos einstellen
    Die Butterfly ist einfach "traumhaft" schön geworden❤️❤️❤️ und ich
    kann dir nur zustimmen. Denn die hohen Seifen habens mir schon lange
    angetan

    Wünsche dir ein wunderschönes entspanntes Wochenende :*
    TINA

  • #5

    Bettie (Freitag, 27 Juli 2018 08:14)

    Ihr Lieben ❤,
    ich bin überwältigt! Vielen Dank für alle eure lieben Kommentare ❤. Ich weiß gar nicht was ich da noch sagen soll.
    Am meisten freue ich mich, dass ihr den Schmetterling erkennt - man ist ja selber immer viel zu kritisch, glaube ich.
    Das mit dem Formenbau ist auch wirklich spannend und ich habe schon wieder eine Idee für eine Neue - es reißt einfach nicht ab.

    @Tina:
    Das mit dem Dörrgerät kling absolut einleuchtend. Vor allem, weil die Dinger die Temperatur ja auch recht konstant halten. Das wäre sicher weniger Schweißtreibend, als mit dem normalen Haushaltsbackofen.

    @all: Nochmal vielen ❤❤❤❤ -lichen Dank für die lieben Worte.
    Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
    Ganz liebe Grüße,
    Bettie

  • #6

    Malvina (Freitag, 27 Juli 2018 19:04)

    Liebe Betty,

    Deine Seifen habe ich ja schon in der Galerie ausgiebig bewundert und war nun ganz gespannt auf Deinen Herstellungsbericht für die Plexiglasform. Hab herzlichen Dank, dass Du Dein Wissen mit uns teilst. Mit dieser Anleitung und den Tipps zum Umgehen von Fallen werde ich mir in absehbarer Zeit auch eine solche Form bauen.

    Liebe Grüße
    Malvina

  • #7

    Bettie (Samstag, 28 Juli 2018 21:06)

    Liebe Malvina,
    ich freue mich sehr, dass ich dir den Formenbau schmackhaft machen konnte und bedanke mich ganz ❤-lich für deinen Besuch und deinen lieben Kommentar.
    Liebe Grüße,
    Bettie